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Freitag, 06.01.
baubau
Modeselektor live!! ( BpitchControl I Berlin )
Andy Finnie ( Wordandsound I Hamburg )
Ralf 10/100 ( Hamburg )

Schnell das Biografische vorweg: Sebastian Szary, 75er Jahrgang, und Gernot Bronsert, 78er Jahrgang, beides geborene Randberliner (Rüders bzw. Woltersdorf) und nunmehr ganz Berliner ... aber lieber gleich zum Eigentlichen, der Musik: Sie cutten Selbstlaute und machen selbst Laute MDSLKTR. Na ja, eigentlich MODESELEKTOR, für die, denen die Granularsynthese und ihre Folgen noch unbekannt sind. Man könnte es so beschreiben: Ein Brett, eine Feile und ordentlich Ausdauer beimnSägespäne produzieren. Dann das Ganze ordentlich durchmatschen und daraus lustige kleine Gebilde pappen. Das kann man dann auch mit anderen Sachen machen und schon ist man beim Recycling. So, das wären also Granularsynthese und Recycling. Denkt man sich jetzt noch knirschende, knarrende Beats, je nach Stimmungslage monoton
durchpreschend oder in ungeheuerlich geile Breaks zercuttet, vor, dazu dann so richtig schön klassisch arrangierte Flächen, die diese harten Beats wie flockiger Pulverschnee berieseln, dann bekommt man ungefähr eine Ahnung davon, was MODESELEKTOR ausmacht - nämlich das Vereinen von Gegensätzen, die einem beim Hören noch nicht mal als solche aufgefallen sind.

Da kann man ganz schön froh sein, daß es MODESELEKTOR letztendlich doch von Papis Plattenspieler weggezogen hat und sie sich 1996 als besagte Formation zusammengetan haben, um "Flächen wie Honig um die Ecke fließen zu lassen und dazu Beats rein zu pfeffern, die wie ein Riese durch Schnee stapfen". Das Taschen- und erste selbst verdiente Geld wurden dann doch lieber in obskure elektrische
Geräuschgeräte statt in Plattennadeln gesteckt und Musik selber gemacht. Die vorher mühsam gesammelten Hip Hop-, Gabba-, Sonic Youth-, Cure- und Depeche Mode- und tausend anderen Scheiben wurden zwar von an nicht mehr so häufig auf Partys aufgelegt, dafür aber musikalisch auseinander genommen und als Samples wiederbelebt. Verfeinert durch geschickt eingesetzte Geräusch- und Klangaufnahmen, weder ort- noch definierbar, ist diese Musik für Leute mit drei Ohren und mindestens einem Auge nach innen.

Denn was MODESELEKTOR, mittlerweile als Laptopmusiker, schaffen, ist Hör- und Bildmusik. Die einen aber auch, bei drei Strich über rot auf einer fetten Anlage live gespielt, umhauen kann, wo der Bass den Körper vibrieren läßt und man gar nicht mehr anders kann, als enthusiastisch von einem Bein auf‚s andere zu hüpfen. So was machen die mit einem, der Shah of Persia und Faustan (so als besonders im Berliner Nachtleben geschätzte DJ‚s bekannt) - rocken und sich dabei auch noch was gedacht haben! Ihrer bei Liveauftritten legendären Fuck-off-Haltung (Spaß, auch wenn der Apple abstürzt und alles schön im Chaospad verheizen!) versuchen sie nicht nur als Privatpersonen, sondern auch als Musiker treu zu bleiben - keine Konventionen, keine Rücksicht auf selbst ernannte Szenen und schon gar keine Dienstleister sein. Ehrlich bleiben und sich in der Musik zeigen, mit all den scheinbaren Widersprüchen, die man in sich trägt. Denn letztendlich gibt es gar keine Widersprüche und wer das so schön und einleuchtend demonstriert wie MODESELEKTOR, der darf auch ruhig die Selbstlaute cutten

00.00 h - 8 e


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