Waagenbau Shop

Archiv | Aktuelle Termine März 2017 | Vorschau April 2017

Freitag, 26.05.
fightclub
The Modernist live ( Popular I Kompakt I Köln )
Pelle Buys ( Italic I Einmusik I Hamburg )
DNS ( Fightclub I Hamburg )
Blackdata Vjs ( Hamburg )


The Modernist fungiert lediglich als eine von vielen unterschiedlichen Identitäten, in welche Jörg Burger während seiner Laufbahn als Produzent, Labelchef, Musiker und Autor immer wieder schlüpft. So nennt er sich Mal großspurig Burger Industries, huldigt als The Bionaut der Wissenschaft oder verführt als Autobianchi mit südländischem Charme. Jörg Burger ist ein Macher und er hat viele Gesichter. Er verkörpert wie kaum ein anderer Kölns Anspruch, eine der ersten Adressen zu sein, wenn es um elektronische Musik geht.

Auf jeden Fall ist the Modernist seit Jahren einer der Nummer-Sicher-Live-Acts, wenn es denn mal hypnotischer zugehen soll.

Als einer der ersten profiliert sich Burger bereits in den späten 80ern mit ersten eigenen Tracks. 1989 debütiert er auf Thomas Fehlmanns "Teutonic Beats" Compilation. 1991 zieht es ihn nach Belgien, wo er mit Wolfgang Voigt aka Mike Ink die Labels Monochrome und Trance Atlantic gründet. Dort veröffentlicht Burger "Burger Industries Vol. 1", eine Platte die bis heute hoch im Kurs steht. 1992 beschließen er und Voigt nach Frankfurt umzusiedeln, wo sie mit Jammin Unit und Dr. Walker von Air Liquide einige Tracks releasen. Gleichzeitig präsentiert sich Jörg Burger mit seinem Album "Everybody's Kissing Everyone" erstmals als The Bionaut, eine Identität, die in den nächsten Jahren zu seiner zweiten Haut wird. Mit seinem unterkühlte Acid-Funk à la Detroit prägt The Bionaut das Gesicht von Köln nachhaltig.

Mit "The Popular Organization" geht 1999 Burgers bislang letztes Label an den Start. Er nutzt die neue Plattform und betätigt sich mit den Best-Of-Compilations "Lubricate Your Living Room" und "The Modernist Comeback" als Geschichtsschreiber in eigener Sache.

Meist ist die Flucht nach vorne, das Machen, die beste Lösung. Und so ging Burger Ende 2003 endlich "Kangmei" an. Das Mittige, vordergründig Tanzorientierte sollte aufgebrochen werden, mehr Dreidimensionalität den Raum durchlüften und die Abstraktion von Pop ein wenig weitergesponnen werden. Deswegen greift das Album bei einigen Songs auch richtig in die Breite, schrammt an einigen bewusst gestreuten "cheesy moments" vorbei und ist ein Werk mit allem Drum und Dran. Burger singt zum ersten Mal selbst und gesteht schmunzelnd, dass er da natürlich nachhelfen musste. Doch das ist schließlich, worum es sich seit Jahren bei ihm dreht: die Synthese von Pop und Elektronik. Man denke nur an Trinkwasser, sein Zitat-Pop-Projekt mit dem Künstler Lothar Hempel.

Und darum scheut Burger sich ähnlich wie Underworld auch nicht davor, Gitarrensamples in einige seiner Tracks einzuweben.

Das ist dem Soundtüftler so großartig gelungen, dass man erst einmal nicht bemerkt, was alles an neuen Elementen dazugekommen ist. Natürlich ist the sound of Burger wieder angereichert mit diesen homogenen warmen Basssounds, die wie eh und je die Hüfte zum Swingen bringen.

Die Tracks atmen noch immer diese Einzigartigkeit. Es gibt wirklich Wenige, die es schaffen, nur mit einem Hauch von Percussion so einen Schwung in einen Track zu bekommen. Während andere mit Clicks&Cuts-Soundsplittern nur so um sich werfen, reiten auf "Kangmei" ein weiteres Mal die Synkopen, treiben uns tonale Klänge an, formt sich ein Ganzes. Das klingt zwar oberflächlich vollkommen eingängig, ist aber in seiner Struktur unglaublich ausgeklügelt und über die Jahre gewachsen. Als Vergleichsmoment können höchstens alte Trance-Platten herangezogen werden. Auch hier wird über Sounds geflogen, kristallisiert sich aus dem Track ein ganz großes Sich-verlieren-Gefühl heraus. Und der Trance-Vergleich macht in Zeiten des von Wolfgang Voigt initiierten Neo-Trance-Movement ja auch wieder Sinn.

00.00h


Bild