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Freitag, 04.05.
waagenbau pres:

modeselektor

modeselektor (bpitch control / berlin) - live -

rüftata 110 (mfoc / golden pudel klub)
superdefekt (mfoc / golden pudel klub)


freitag, 04. mai 0h 9EUR waagenbau hamburg


Geht es um den viel beschworenen Sound aus Berlin, ist Modeselektor eine Bank, von der man getrost ein paar Dezibel abheben kann. Ihr "Dreck-Elektro" (Arte TV) hat es auf die Favoritenliste vom Radiohead himself Thom Yorke geschafft, in der deutschen Hauptstadt werden sie seit fast zehn Jahren als Garantie für humortrunkene, musikalisch auf- und Tanz anregende Nacht-Unterhaltung gehandelt, während der Rest der Republik schon längst schläft.
Nur in Frankreich sind sie vielleicht noch bekannter und Dauergast sowohl in Paris, als auch in der Provinz.

Rund 70 Live-Auftritte allein im vergangenen Jahr zieren ihre Agenda, nicht weniger als 4 EPs auf Ellen Alliens Label BPitch Control haben sie nebst zahlreichen Remixen bislang veröffentlicht, zuletzt erschien die DVD "Labland", die sie in Ton und mit Bild von Deutschlands beliebtesten VJs und langjährigen Labor-Kollegen von der Berliner Pfadfinderei gemeinsam kompiliert haben.
Modeselektor sind Gernot Bronsert und Sebastian Szary, zwei Lebemänner aus Berlin, die sich 1996 zusammen getan haben und gern im Restaurant essen. Nach jährlich wiederkehrenden Versprechungen kommen sie nun endlich mit ihrem ersten Album um die Ecke gebogen, um damit auf die breit angelegte Schranz-Elysée für eine zeitgemäße Post-Techno-Parade einzufädeln. "Hello Mom" funktioniert wie ein Sampler für akut geile, zeitgenössische elektronische Musikpimperei. Urbane Worthülsen wie Elektro-IDM, Booty-House, Eurocrunk, Tech-Rap, Continental-Grime, Ghettobass, Dubstep und derlei sollten in Modeselektors Bearbeitung selbst die gelangweiltesten Alleskenner vom Hocker hauen. Müde glotzt ein feiergezeichneter, verloren dreinblickender Affe vom Cover, denn Selbstironie war schon immer eine Stärke von Modeselektor, mit denen man nur schwerlich ein ernstes Wörtchen reden kann, da sie meist trunken vom Ideensuff ihrer suchtartigen Kreativität anzutreffen sind.

Los geht’s mit einer Gemeinschaftsarbeit. TTC kommen aus Frankreich und machen saftigen Hiphop auf dem Ninja Tune-Ableger Big Dada, wobei sie in der "Dancing Box" von Modeselektor im trockenen Eurocrunk-Shredder durstig bleiben müssen. "Die Club Nummer" intonieren Gernot und Sebastian als das Acid Gewandhaus Orchester zu Ehren von Kurt ‚Triefauge’ Masur, während "Tetrispack" mit imaginiertem Genöle von Snoop und Kelis eine garantierte Nummer Eins wäre, hier aber auf der Drei sein Glück versuchen muss. Das "Rap-Anthem" reiht sich nach dem "Rave-Anthem" von der "Turn Deaf EP" in die Liste ein, aus der später mal ein Hymnenalbum entstehen soll.

"Kill Bill Vol. 4" verdeutlicht zunächst Modesektors Hang zur Hörspielerei, um sich dann in ein Rave-Monster zu verwandeln, mit dem sie eigenen Angaben zufolge egal wo Erfolg gehabt haben. Namensgeber für "Ziq Zaq" ist ein persisches Restaurant, in dem Modeselektor gerne essen, und wo sie sich Gedanken über die 707 von Lexy und K.Paul gemacht und sich ob der 80er-Jahre-"Plastiksounds" einen Ast gelacht haben. Mit "Vote or die" unterstützen Modeselektor die von P.Diddy ins Leben gerufenene Wahlkampagne, weil der Rapper aus New York "einen tollen Geschmack hat und einfach styled". "Earth - the UPS edit" sind obskure Sounds zu schwerem Stolpern, es eiert majestätisch wie der Planet, auf dem die Menschen in den braunen Uniformen wohnen und sich gegenseitig Geschenke ausliefern. Der weise Paul St. Hillaire räsomiert mit wahnsinnig viel Gefühl über "Fake Emotions" zu entspannt verblubberten Melodien. "In loving memory" von der gleichnamiger EP aus dem Jahr 2002 zählt schon jetzt zu den großen Kirchenorgelklassikern unserer Zeit. "Hasir" heißt das türkische Restaurant, das den zwei ewig Hungrigen einen feinen Schnitzel "Saz" (türkische Gitarre) gegeben hat, aus dem diese gefühlvolle Oriental-Bass- Ballade gewachsen ist. Die Sri Lankesin Sasha Perera ist Sängerin des Berlin-Tel-Aviver Trios Jahcoozi und "Silikon" ein Track voll mit urbanem Dreck. Das fröhlich-euphorische Plocker-Finale "I love you" geht raus an alle Moms, heißt es von Modeselektor, die bereits am nächsten Album sitzen, das in ca. 8 Jahren erscheinen soll.


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